
Skåne (Schonen), die südlichste Provinz Schwedens mit 11.400 km² und ca. 1,2 Mio. Einwohnern, hat eine überdurchschnittlich hohe Dichte an Betrieben (ca. 400) in der Forstwirtschaft und wird daher auch als „kingdom of wood“ bezeichnet. In Småland, der Heimat von Astrid Lindgren und IKEA, mit ca. 30.000 km² und 700.000 Einwohnern, sind mehr als die Hälfte aller Möbelproduzenten angesiedelt. Småland trägt auch den Namen „kingdom of furniture“. In beiden Regionen bestehen regionale Netzwerke, die ihre Firmen im Bereich Qualifizierung und Vermarktung aktiv unterstützen. Firmen aus diesem Netzwerk wurden bei dieser Reise besichtigt, zusätzlich wurden den Teilnehmern in Gesprächen mit den Netzwerkverantwortlichen sehr interessante Informationen über die Holz- und Möbelwirtschaft in Schweden und die Arbeitsweise dieser Netzwerke geboten.
Ballingslöv AB
Ballingslöv AB (aktuell 400 MA) wurde 1929 gegründet und stellte bis Beginn der 40’er Jahre alle Arten von Tischlerarbeiten her. 1941 wurde mit standardisierter Produktion im Serienmöbelbereich für Küchen durch vormontierte Module begonnen. Die Produkte zeichnen sich durch hohe Qualität, aufwendiges Design und große Flexibilität aus, die nahezu unbegrenzte Möglichkeiten für individuelle Gestaltung bietet. Von Anfang an wurde die Zusammenarbeit mit lokalen Händlern in ganz Schweden stark forciert, wobei sehr viel Wert auf die Aus- und Weiterbildung der Verkäufer sowie die aktive Kundennähe mit attraktiven und modernen Ausstellungen gelegt wird. http://www.ballingslov.se/
Glimakra Akvamatik AB
Glimakra Akvamatik AB, gegründet 1948, fertigte bis Mitte der 80er Jahre nur Webstühle. Getrieben durch den rückläufigen Markt wurde Anfang der 80er bereits der Schwerpunkt auf die Fertigung von Raumteilern und Stellwänden verlegt und die Webstuhlproduktion 2000 eingestellt. Mittlerweile hat sich die Produktpalette weiterentwickelt und reicht bis zu Empfangstheken, Konferenzraum- und Büroeinrichtung. Als zweites Standbein wurde 2005 die Produktion von Spezialfenstern für historische Bauten durch den Aufkauf eines Konkursunternehmens aufgebaut. Mit ca. 40 Mitarbeitern und rund € 5 Mio. Umsatz wird in der Produktgestaltung mit den besten skandinavischen Designern zusammen gearbeitet. Man stellt sich selbst einen sehr hohen Qualitätsanspruch, exportiert in die halbe Welt und hat schon etliche Auszeichnungen erhalten. http://www.glimakra.com/
AB Aberg & Söner
AB Aberg & Söner ist ein Familienbetrieb, der 1913 als Tischlerei gegründet wurde. Heute ist das Unternehmen ein klassischer Zulieferbetrieb mit 25 Mitarbeitern und ca. SEK 20 Mio. (€ 2 Mio.) Umsatz, der sich auf alle Arten von formgepressten und formverleimten Furnier- und Zulieferteilen für die Möbel- und Einrichtungsindustrie spezialisiert hat. Die Produkte werden meist zusammen mit den Kunden entwickelt. Das Unternehmen entwickelt die Schablonen, verpresst damit die Formteile und fertigt das Produkt bis zur Oberflächenbehandlung. Ausschlaggebend für die hohe Qualität sind das vorhandene Know-how und die langjährige Erfahrung. Trotz modernster drei- und fünfachsiger CNC-Maschinen ist sehr viel an Handarbeit nötig. Verarbeitet werden ca. 700 m³ Furnier pro Jahr, die Verleimung erfolgt mit Hochfrequenzpressen, um eine rasche Verarbeitung zu gewährleisten. http://www.abergs.nu/
Designhotellet i Värnamo
Das ursprüngliche hölzerne Gebäude aus dem 18. Jahrhundert wurde 1955 nach einem Brand mit einer für diese Zeit weltweit sensationellen Architektur von Bent Jörgen Jörgensen wiedereröffnet. In den Jahren 2000-2002 wurde für dieses historische Gebäude ein Renovierungskonzept entworfen und damit der Schritt für die Zusammenarbeit mit Bruno Mathsson International, Källemo in Värnamo sowie Svenssons i Lammhult gesetzt. Die drei Junior-Suiten wurden durch jeweils einen der drei Partner im Einklang mit der Hotelphilosophie und der vorhandenen Gebäudearchitektur, jedoch im unverkennbaren Unternehmens- und Designstil eingerichtet und ausgebaut. http://www.design-hotellet.se/
Källemo AB
Källemo AB ist weltweit bekannt für gutes Design. Das Bestreben dieses Unternehmen ist es, gutes und auch ausgefallenes Design, ohne einen hohen Absatz zu erwarten, zu fördern und international bekannt zu machen. Gutes Design und Qualität sind bei Källemo optische Schönheit und harmonische Proportionen. Durch ihre Meinung: „Kunst fördert Kreativität“ sind sie, um nicht zu sagen, ein Gegenpol zu dem typisch skandinavischen Design, das fast ausschließlich die Funktionalität und Beständigkeit des Produkts zur Aufgabe hat. Auch ihr Ausdruck „function follows form“ zeigt, dass in ihren Ideen die Grenze von Kunst und Design nahezu verschwindet. Ein ausgesprochen interessantes Studio und ein fruchtbarer Boden für ausgedehnte Diskussionen und Definitionen rund um die Themen Kunst, Design, Kreativität, Funktion und vieles mehr. http://www.kallemo.se/
Norrgavel AB
Norrgavel AB wurde 1993 von Nirvana Richter gegründet. Nirvana war Architekt des Royal Institute of Technology und ausgebildeter Schreiner. Bis heute entwirft der Architekt sämtliche Möbel und Produkte selbst und versucht dabei, ein gesamtheitliches Konzept für die Innenausstattung, abgestimmt auf das tatsächliche, tagtägliche Leben im Allgemeinen zu schaffen. Norrgavels Möbel können durch Wörter wie Einfachheit, Gefühl und Präsenz beschrieben werden, ebenso wie Ehrlichkeit und Kontinuität. Die Produkte werden ausschließlich aus Naturmaterialen gefertigt, die Möbel werden nur aus Massivholz produziert und nur mit Öl, Seifenlauge oder Eitempera. Produziert und zugeliefert wird durch regional ansässige Tischlereien. Die Tatsache, dass der ökologische Aspekt immer vorherrschend war, brachte Norrgavel mehrere Umweltpreise (u. a. auch vom WWF). Einige der Möbel wurden mit Preisen der „Excellent Swedish Design“ ausgezeichnet. Aktuell gibt es vier Läden in Schweden, einen in Kopenhagen und einen in Sapporo, Japan. http://www.norrgavel.se/
Lammhults Möbel AB
Auf 10.000 m² arbeiten ca. 100 Mitarbeiter in einer sehr modernen Produktion, angeschlossen daran ist auch eine Verkaufsausstellung. Der Umsatz liegt bei ca. 200 Mio. Schwedenkronen. Die Qualität der Produkte resultiert aus der fundierten Ausbildung und den örtlich vorhandenen Sachkenntnissen der Mitarbeiter. Sehr hohen Stellenwert hat im Unternehmen auch noch die traditionelle Bearbeitung, die „Hingabe zur Qualität“, die sich durch den großen Anteil an Handarbeit in der Erzeugung widerspiegelt, der aber auch notwendig ist, um ihre berühmten Designs in der Masse hervorzubringen. Lammhults war immer bestrebt, die weltweit besten Designs hervorzubringen, die hochwertigsten Materialien im modernsten und effizientesten Weg zu verwendend. http://www.lammhults.com/
Svennsons i Lammhult AB
Svennsons i Lammhult AB hat regional in Schweden einen ähnlichen Stellenwert wie IKEA. Als Tischlerei vor etwa hundert Jahren gegründet wurde bereits in den 70er Jahren zusätzlich zum Zulieferbereich mit dem direkten Verkauf über einen eigenen Schauraum begonnen. Schließlich wurde der Fokus nur noch auf den Verkauf gerichtet und die gesamte Produktion auf Zulieferbetriebe ausgelagert. Verkauft werden vorwiegend Produkte aus Schweden (der Anteil liegt bei ca. 80 %), der Umsatz liegt bei ca. SEK 150 Mio. Philosophie dabei ist, die „besten Möbelklassiker unserer Zeit“ im Sortiment zu haben und international zu vertreiben. http://www.svenssons.se/
Träcentrum Nässjö
Träcentrum Nässjö ist ein von 90 regional ansässigen Firmen initiiertes und getragenes Ausbildungszentrum. Geboten werden dort sehr wirtschaftsnahe Ausbildungen im Holzbereich durch verpflichtende Praktikas der Schüler und Studenten, aber auch der Lehrenden in den beteiligten Unternehmen. Holz ist der größte Exportfaktor Schwedens. Im Radius von 150 km um Nässjö liegen 75% der schwedischen Tischlerbetriebe, der führenden Holzhaushersteller, der Möbelindustrie und eine Menge Sägewerke. In Småland ist die holzver- und bearbeitende Industrie das Rückrat der Gesellschaft und auch der Wirtschaft. Nässjö Holzzentrum trägt zur industriellen Entwicklung und zur Kompetenzentwicklung dieses wichtigen Industriezweigs bei. http://www.tracentrum.se/
Bruno Mathsson Center
Eine Ausstellung mit allen Details über den berühmten Schwedischen Designer Bruno Mathsson. Geboren 1907 in Värnamo, erlernte er von Grund auf das Tischlerhandwerk bei seinem Vater und eignete sich dadurch ein umfassendes Wissen über die Holzverarbeitung an. In den 30er Jahren löste sich Bruno Mathsson vom vorhandenen Stildenken und entwickelte eine eigene Formensprache. Höchste Funktionalität, abgestimmt auf den menschlichen Körper, mit so wenig Material wie möglich zu erreichen, war seine oberste Priorität. So gestaltete er beispielsweise Stühle, die der natürlichen Sitzhaltung des Menschen angepasst mit Sattelgurten bespannt waren, um sich aufwändige Polsterungen zu sparen. In den 60er Jahren wurde er auch im Bereich der Architektur tätig. Geprägt von seiner Nähe zur Natur und seiner Leidenschaft für Licht entwickelte er seine berühmten Glashäuser, die damals schon mit 3-Scheiben Verglasung und Fußbodenheizung ausgestattet waren!
„Seine Möbel erscheinen für immer jung, sie werden betrachtet als Kunsthandwerk und Gebrauchsgegenstand. Sie werden in Museen ausgestellt und doch gleichzeitig als modern frisch und funktionell von uns erlebt.“ http://www.bruno-mathsson-int.se/