Möbel- und Holzbau-Cluster versammelte innovative Vordenker in Linz

Mann in Anzug auf Bühne
Keynotespeaker Patrick Rammerstorfer
Mann in Lederjacke mit Mikrofon
Designer Martin Ballendat
Mann in blauem hemd mit Mikrofon
Industriedesigner Franz Piffl
Mann mit Brille und Mikrofon
Tischlermeister Alois Füchsl
Personengruppe beim Smalltalk
Angeregte Diskussion unter den Teilnehmern
Mann in Anzug auf Bühne
Industrie 4.0-Experte Herbert Jodlbauer
Mann in Hemd vor Leinwand
Michael Reitberger, Chefredakteur von Holzbau Austria
Mann in dunklem Anzug auf Bühne
Grüne Erde-Eigentümer Kuno Haas
Personengruppe bei Ausstellung mit Glasexponaten
Fachausstellung zeigt Innovationen aus Glas Fotos: MHC

28.04.2017

Unter dem Motto „Ready to start – mit innovativen Ideen in eine erfolgreiche Zukunft“ diskutierten am 27. April knapp 80 Vertreterinnen und Vertreter aus der Möbel- und Holzbau-Branche anlässlich des MHC-Timber Summit die neuen Wirklichkeiten und künftigen Möglichkeiten der Digitalisierung. Die heurige Jahrestagung des Möbel- und Holzbau-Clusters (MHC) der oö. Wirtschaftsagentur Business Upper Austria in der Linzer Tabakfabrik stand damit ganz im Zeichen von Visionen, Innovationen und Zukunftstechnologien.

Die fortschreitende Digitalisierung und das Thema Innovation zogen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung. Eröffnet wurde die interessante Vortragsreihe von Keynotespeaker Patrick Rammerstorfer, Geschäftsführer der Pro Active Beratungs- u. Trainings GmbH. Er zeichnete sehr eindrucksvoll den Weg, wie man zu „echten“ Innovationen kommt, denn „nicht alles was cool ist, ist auch eine Innovation“, weiß Rammerstorfer. Er erzählte den Teilnehmern von den Vorteilen von Open Innovation, bei der es darum geht, ganz gezielt interdisziplinäre Partner wie beispielsweise Kunden, Lieferanten, User oder sogar Mitbewerber in den Innovationsprozesse einzubinden. Seine Botschaft an die Teilnehmer: „Keine Angst vorm Scheitern haben“.

 

Wie aus seiner Vision als junger Student, einmal ein international erfolgreicher Designer zu sein, Wirklichkeit wurde, darüber sprach Martin Ballendat. Die Teilnehmer erfuhren, wie der bekannte und vielfach ausgezeichnete Designer gemeinsam mit seinem 16-köpfigen Team im eigenen Modellatelier – seiner „großen Bastelbude“ wie er sie nennt – erste Ideen zu innovativen Prototypen entwickelt und perfektioniert. Mittlerweile ist Ballendat für über 40 Marken in 13 Ländern der Welt erfolgreich tätig und stolz darauf, dass so viele Kunden weltweit auf sein Gespür für Innovationen vertrauen.

 

WikiHouse – globales Design, regional produziert

Online gehen, sich selbst ein Haus entwerfen und es gleich baufertig „ausdrucken“ klingt vielleicht etwas utopisch, ist aber bereits gelebte Realität. WikiHouse nennt sich dieses Open-Source-Projekt, für dessen Verwirklichung man lediglich eine Internetverbindung zum Download der Pläne, ausreichend Sperrholz, eine CNC-Maschine zum Herstellen der Bauteile und ein paar geschickte Hände zum Aufstellen benötigt. Solch ein „theoretisches Haus“ praktisch umgesetzt hat schon vor zwei Jahren der Industriedesigner Franz Piffl gemeinsam mit Tischlermeister Alois Füchsl. Auch wenn der Bau ihres ersten Projektes damals nicht völlig reibungslos vonstattenging, sind die beiden von dem System mehr als überzeugt. „Mit WikiHouse hat man die Möglichkeit, globales Design relativ günstig und vor allem regional produzieren zu lassen“, erklärt Füchsl, der mit seiner CNC-Fräse die OSB-Platten fertigt. „Wie bei jedem Open-Source-Projekt sind die ständige Verbesserung und Weiterentwicklung sowie das anschließende Teilen mit anderen das Ziel, denn aus Fehlern soll man lernen“, ist Franz Piffl überzeugt. Mittlerweile ist das WikiHouse bereits so ausgereift, dass auch eine zweigeschossige Bauweise möglich ist.

 

Industrie 4.0 – disruptive Geschäftsmodelle sind gefragt

Richtungsweisende Inputs zum Thema Industrie 4.0 lieferte Herbert Jodlbauer, Professor an der FH in Steyr. „Einfach nur Standardprozesse zu digitalisieren, reicht nicht aus, um von Industrie 4.0 sprechen zu können“, hält Jodlbauer eingangs fest. Vielmehr ist digitale Transformation gefragt. In digitaler Transformation stecken viele Potenziale – von der intelligenten Produktion über einen verbesserten Kundenservice bis hin zu völlig neuen, disruptiven Geschäftsmodellen. Anhand konkreter Beispiele zeigte Jodlbauer, dass hinter all dem nicht bloß weit entfernte Zukunftsvisionen stecken, sondern bereits am Markt erhältliche Produkte und Dienstleistungen. „Wer es schafft, mit seinem Unternehmen auf diesen Zug aufzuspringen, wird zu den Gewinnern der Digitalisierung zählen“, appelliert Jodlbauer an die Teilnehmer.

 

Holzhandwerk online bewerben – so wird’s gemacht

Wie ein guter Onlineauftritt aussieht und welche konkreten Möglichkeiten es vor allem für kleinere Handwerksbetriebe gibt, den Internetkunden zu erreichen, darüber sprach Michael Reitberger, Chefredakteur von Holzbau Austria. Er verriet den Teilnehmern Tipps und Grundregeln zur Optimierung des eigenen Online-Auftritts und zeigte anhand konkreter Beispiele die No-Go’s für erfolgreiche Firmenwebseiten auf.

 

Möbel per Mausklick

Kunden von heute sind flexibel, vernetzt und vor allem omnipräsent – mobil, zuhause und im Shop. Sie haben damit unzählige Möglichkeiten, um an ihr Wunsch-Produkt zu gelangen. Dementsprechend steigen auch ihre Wünsche und Erwartungen. „Sie wollen Möbel wie T-Shirts kaufen, auf Knopfdruck bestellen und das Möbelstück innerhalb weniger Tage geliefert bekommen“, weiß Albert Ortig, Gründer der virtuellen Plattform Roomle. Bei der MHC-Jahrestagung sprach er über die Potenziale für die Möbelindustrie und wie es gelingen kann, den Möbelkaufprozess für den Kunden so einfach wie möglich zu gestalten. Der Möbelkäufer will einfach planen und einrichten. Möbel auswählen, individuell konfigurieren und von zuhause aus in überzeugenden 3D- und Augmented Reality-Darstellungen erleben oder Räume virtuell begehen. Er will bei der Auswahl, der Entscheidung bis hin zum Kauf optimal begleitet und unterstützt werden. „Darin bestehen die Herausforderungen für die Möbelindustrie. Händler, die sich darauf einlassen, alle Verkaufskanäle miteinander kombinieren und innovative Lösungen in Verbindung mit neuesten Technologien anwenden, werden auch in Zukunft wettbewerbsfähig sein“, ist Ortig überzeugt.

 

Die Natur als Vorbild

Wie das Thema Innovation in dem ökologischen Pionierbetrieb Grüne Erde gelebt wird, darüber berichteten Kuno Haas, Eigentümer der Grünen Erde und Wolfgang Viehböck, Produktmanager im Bereich Möbel. Seit mehr als 30 Jahren wird das Scharnsteiner Unternehmen Grüne Erde geleitet von der Sehnsucht nach einem verantwortungsvollen Umgang mit Mensch und Natur. Diese Unternehmensphilosophie zwingt immer wieder zu neuen, innovativen Denkansätzen, sowohl was das Design und die handwerkliche Herstellung der Produkte als auch die Kommunikation mit Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern betrifft. „Wir bei Grüne Erde denken Innovation in einem breiteren Kontext. Es geht nicht nur um die technische, sondern auch um die soziale und gesellschaftliche Komponente“, betonte Haas. Auch bei der Finanzierung setzt man auf ein innovatives Crowfunding-Modell, das Grüne Erde österreichweit zu Vorreitern macht. Ganz bewusst wird außerdem auf einen Auftritt in sozialen Medien wie Facebook und Twitter verzichtet. Grüne Erde will ihre Kunden gerade im Online-Bereich auf anderen Wegen ansprechen und durch besondere Qualität überzeugen. So sollen sämtliche Einrichtungsgegenstände von Grüne Erde in den nächsten zwei Jahren über ein neues Produkt-Data-System als 3D-Modelle auf der Homepage zu finden sein. Der Kunde wird sich die verschiedensten Produktmodelle mit verschiedenen Holzarten und Bezugsstoffen aus allen Blickwinkeln ansehen, mit anderen Möbeln kombinieren oder die Montageanleitung in 3D verfolgen können. „Im Spannungsfeld zwischen traditionellem Handwerk und zeitgemäßer Digitalisierung beschreiten wir hier neue Pfade“, ist Haas überzeugt.

 

Architekt Michael Lohmann von Delugan Meissl Associated Architects präsentierte abschließend die aktuellen Projekte wie das MIBA Forum in Laakirchen oder das Hyundai Motorstudio in der Nähe von Seoul und behandelte dabei den Dialog zwischen Konzept und der Fertigstellung bzw. Konstruktion der jeweiligen Projekte. Sehr eindrucksvoll zeigte er die Arbeitsweise von Delugan Meissl Associated Architects in Bezug auf die digitale Planung und ihre dreidimensionale Komplexität auf.

 

Im Anschluss an die Vortragsreihe fand ein Rundgang durch die begleitende Fachausstellung zum Thema „Materialien für die Zukunft“ statt. Christine Bärnthaler von der OFROOM Innovations Agentur präsentierte Innovation aus Glas und bot den Besuchern die Möglichkeit, diese Innovation vor Ort sprichwörtlich "zu begreifen".


Foto: Mag. Tamara Gruber-Pumberger

Mag. Tamara Gruber-Pumberger

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