Erwin Wenzl Preis 2015 geht an die HTBLA Hallstatt

Foto: HTBLA-Hallstatt
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21.12.2015

Der Erwin Wenzl Preis wurde vor 19 Jahren ins Leben gerufen und wird jedes Jahr jeweils für die drei besten Lehrabschlüsse, Schulabschlussarbeiten, Diplomarbeiten und Dissertationen des Landes Oberösterreich vergeben.

Drei Schüler des schulautonomen Ausbildungszweiges "Restauriertechnik" an der HTBLA, Florian Gschwandtner und seine beiden Teamkollegen Alexander Fink und Jakob Wimmer konnten den Erwin Wenzl Preis 2015 nach Hallstatt holen. Ihre Diplomarbeit "Messtechnische Charakterisierung historischer Kastenfenster und daraus abgeleitete bauphysikalische Simulation", die von DDI Günther Kain, DI Dr. Friedrich Idam und Dipl. Päd. Robert Muckenhofer betreut worden ist, wurde von einer Fachjury als beste Schulabschlussarbeit Oberösterreichs ausgewählt.

Im schulautonomen Ausbildungszweiges "Restauriertechnik" an der HTBLA Hallstatt wird neben der Instandsetzung von Möbeln ein zweiter Schwerpunkt auf die Restaurierung und energetische Optimierung historischer Fensterkonstruktionen gesetzt. Im Rahmen des Lehrplans wird den Schülerinnen und Schülern die Bestandsaufnahme und Befundung historischer Holzobjekte und Holzkonstruktionen an Ort und Stelle und im Labor gelehrt. Im Werkstättenunterricht werden die handwerklichen Fertigkeiten in überlieferten Techniken, verknüpft mit dem Einsatz moderner Technologien, vermittelt. In der prämierten Diplomarbeit wird der Ansatz verfolgt, bestehende Fensterkonstruktionen an ausreichend vielen Stellen mit Sensoren zu "verwanzen". So werden Lufttemperatur, Oberflächentemperatur und Luftbewegung an signifikanten Stellen ermittelt und über einen längeren Messzeitraum gespeichert. Im Anschluss können aus den Temperaturprofilen innerhalb der (quasi-) stationären Temperaturphasen die Wärmedurchgangskoeffizienten der Konstruktion mit einem im Rahmen dieser Diplomarbeit entwickelten Rechenmodell bestimmt werden.

  Im praktischen Versuch wurde eine Kastenfensterkonstruktion eines historischen Gebäudes in Hallstatt über zwei Monate hinweg messtechnisch überwacht. Die Auswertungen zeigen, dass der Wärmedurchgangs-Wert der betrachteten Konstruktion deutlich geringer ausfällt als dervorgegebene Normwert. Entscheidend ist hier vor allem der Wärmedurchlasswiderstand des Luftpolsters zwischen Innen- und Außenflügel, der deutlich bessere Werte aufweist, als in standardisierten Tabellenwerken angenommen wird. In weiterer Folge konnte in der ausgezeichneten Diplomarbeit nachgewiesen werden, dass bei Betrachtung des Gesamtenergieverbrauchs die Reparatur eines historischen Fensters die energieeffizienteste Maßnahme darstellen kann.

Mit dem von den drei Schülern entwickelten messtechnische Verfahren kann der Wärmedurchgangs-Wert jeder beliebigen Fensterkonstruktion an Ort und Stelle ermittelt werden. Dadurch wird es möglich, im jeweiligen Einzelfall messtechnisch nachzuweisen, ob durch die Reparatur eines bestehenden Fensters eine Verbesserung des Wärmedurchgangs-Werts erzielt werden kann. In weiterer Folge können auf dieser Basis sowohl eine Gesamtökobilanz einer Fensterreparatur als auch die eines Fenstertausches aufgestellt werden, durch welche die Gesamtenergieeffizienz der verschiedenen Handlungsoptionen bewertet werden kann.

Im Rahmen eines Festaktes am 4. 12. 2015 wurde im Erwin Wenzl Haus in Linz der Preis von Landeshauptmann Pühringer an das erfolgreiche Team in Hallstatt übergeben.